Tanz Körper Erweiterung
"stretching the physicality of dance"

Conference – 23./24. August 2017 – Uferstudios Berlin

 

Organized by tanzfähig and the Dachverband Tanz Deutschland in cooperation with the Inter-University Center for Dance Berlin

Beyond expectation:

What does it mean for contemporary dance when other physicalities are added? Physicalities of people with disability, older people, with other cultural experiences?

"Stretching the Physicality of Dance" invited everyone who is looking for possibilities to expand traditional dance bodies, and those who are already addressing the issue. The conference offered them the opportunity to present their ideas, explore their questions, discuss with others and let others inspire them to new things. 

Developing dance from diversity: what is the artistic benefit? What is its relevance for technique and virtuousity? How can one teach given the difference in bodies? Dancers, choreographers, teachers, scientists, among others, will all contribute what they have experienced, researched and understood. Work groups with project examples then expanded on this exchange. 

The conference was directed towards people interested in dance of any age. Pre-experience in dance, cultural influences or disability of all kinds were not required, but welcome.

Theory was expanded in practice. Directly after the conference, the international workshop festival MeetShareDance 2017 took place in Berlin. www.meetsharedance.com

STIMMEN ZUR KONFERENZ

Die verschiedenen Aussagen der Teilnehmer, wie sie die Konferenz erlebt haben, was sie ihnen gebracht hat oder was sie vermisst haben, wurden redaktionell bearbeitet, aber inhaltlich nicht verändert. Auf eine Übersetzung aus dem Englischen wurde verzichtet.

 

The conference was great. It raised up a few important questions... I need time to check my notes and reflect about it.

Alessandro Schiatarella

 

Das Thema ist neu und spannend. Ich habe viele interessante und sympathische Menschen getroffen und z.T. sehr tiefe und vertrauliche Gespräche geführt. Auch "Kritisch-Hartes" wurde als Bereicherung gesehen, Diversität war auch hier gegeben. Meine Sicht auf meine eigene Krankheit hat sich verändert, mögliche Zukunftsperspektiven sind entstanden.

Ariane Hassan Pour-Razavi


Meine eigene Vorstellungen zu Tanz und inklusivem Arbeiten wurden sehr gerüttelt. Viele Impulse lassen sich auf meine Arbeit übertragen. Was gesagt worden ist, bezieht sich nicht nur auf behinderte Menschen, sondern allgemein auf andere Gesellschaftsgruppen wie Senioren, Kinder oder Transsexuelle und deren Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Mir wurden durch die Konferenz meine Sprache und meine Ausgrenzungen, die ich selber mache, deutlich.

Babette Kunze Bornemann

 

I extend my gratitude for this opportunity to explore a new area of dance and cultural research at your inaugural conference. Besides enjoying the research and preparation processes for my own presentation that opened new vistas for me as a dance scholar, I was educated and moved by the presentations I attended. It's thrilling to see what people are doing in extending the reach of dance culture and in broadening the concept of "dance as art". Thanks for your part in this quiet revolution.

Brenda Dixon-Gottschild

 

Ich habe auf viel Input gehofft und habe ihn auch bekommen! Die verschiedenen Formate wie Vorträge, Arbeitsgruppen und Gespräche haben gut funktioniert. Es war schön, dass die Teilnehmer sehr unterschiedlich waren. Die Location war toll, und die Gastgeber*innen sehr sympathisch. Ich bin auch an Wissen und Theorie interessiert, davon gab es relativ wenig.

Christiana Rosenberg

 

Ich habe einen neuen Blick für meine tanzpädagogische und choreographische Praxis gewonnen und will Diversität in meiner künftigen Arbeit mehr fördern und fordern. Auch die Zusammenarbeit mit Choreographen mit Behinderungen interessiert mich nun mehr, und ich werde die entstandenen Kontakte für mögliche Zusammenarbeit nutzen. Danke für diese Erfahrung!

Izabella Herzfeld

 

I leave this conference full of energy, motivation to try out, to follow up newly made contacts and to widen my field of experience. Therefore, this conference exceeded any expectation I might have had before. It was well moderated, and it offered ample time for exchange. I particularly enjoyed the 5 minutes presentational format. I'd liked to have more of “Vermittlungs“ strategies and methods in mixed abilities groups of dancing people.

Jenny Coogan

 

Durch die Konferenz habe ich viel Bestärkung und neue Ideen für meine eigene Arbeit als Musiktherapeutin und Leiterin von kleinen Kunstgruppen mit behinderten Menschen gewonnen. Ich empfand die Abgrenzung zur Sozialarbeit zu stark, da sie die nicht in der “öffentlichen Tanzszene“ wirkenden Sozialarbeiter ausschließt bzw. an den Rand drängt. Auch hätte ich mir gewünscht, dass noch mehr Kulturschaffende der Berliner Tanzszene einbezogen worden wären, und mehr Filmmaterial von Projekten, die sich vorstellen. Die Thematik der Konferenz sollte unbedingt fortgesetzt und erweitert werden.

Karin Hartmann

 

Super gathering! I'd have liked to have more little movement exercises inbetween to digest all the ideas more easily. Contemporary dance as a practice of art should not discuss about inclusion, it should be part of the way of doing it.

Karina Suárez Bosche

 

Die positive Stimmung, die Freude und Offenheit im Umgang miteinander während der gesamten Konferenz war ein Kraftspender. Insofern wurde ich reich beschenkt. Ich bin jetzt motiviert, weiterzumachen, dran zu bleiben und tiefer zu gehen. Ich habe das Bedürfnis, in einer inklusiven Produktion zu tanzen, sie eventuell selbst zu organisieren. Ich denke daran, behinderte TänzerInnen nach Österreich einzuladen, als GastchoreografInnen oder als GastdozentInnen an die Uni.

Katharina Senk


I really enjoyed the conference, it was exciting to see so many people from different perspectives and approaches in dance in one room and to feel that there is an energy and impetus to begin to tackle this territory in Berlin. I think you did a wonderful job and this was a wonderful event and great to hear the beginnings of this evolving discourse. The last panel that addressed language was really important and useful and would have been well placed to begin the conference and frame thinking. I would have liked to have heard more from the voices of disabled artists and the participants in many non-disabled people’s projects, it felt a little like some people were speaking in their place and these voices would have been good to have in the mix. I’m also a fan of ideas for next steps and would have welcomed a moment or a group to map out some thoughts of what people need or want next...

Luke Pell

 

Die Konferenz hat mich grundsätzlich bereichert. Sie hat mich weiter sensibilisiert, was Sprache und Ästhetik angeht, und sie hat mich, was aber nicht “schlimm“ ist, verunsichert. Am ersten Tag gaben die inhaltlich und strukturell guten Formate viel Information. Am zweiten Tag waren die beiden Gespräche sehr spannend, auch wenn die Moderation unterschiedlich gut war.

Sabine Karoß

 

Ich bin überaus dankbar für die Möglichkeit, die die Konferenz mir geboten hat, mich mit Menschen auszutauschen, die die gleiche Vision und Idee in sich tragen. Die Größe und den Umfang der Konferenz hätte ich so nicht erwartet. Das hat mich motiviert und inspiriert, mit meiner Arbeit weiterzumachen, und ich habe Kontakte knüpfen können, die mich dabei unterstützen können.

Sarah-Lena Brieger

 

Now I am looking at my work with MS and Parkinson's dancers from a more artistic viewpoint, and am trying to get the participants to feel the same way. Dance is not just therapy with music. I am wondering how we can reach to recognize difference not being hierarchical - different but equal in a realistic way.

Stephanie Greenwald

 

Die Konferenz war wunderbar organisiert. Vom Programm bin ich begeistert. Die Begrifflichkeit ist greifbar geworden. Neue Perspektiven haben sich geöffnet, Verbindungen und Vernetzungen konnten sich bilden. Die Diversität unter den Teilnehmern hat Raum und Zeit bekommen, sich zu zeigen. Mehr Bewegungseinlagen wären schön gewesen. Das Warm-up am zweiten Tag war sehr schön und eine gute Ergänzung zu den verbalen Anteilen.

Ulla Schorn

BERICHT KONFERENZ

Mehr als 120 Personen nahmen an der Konferenz in den Räumlichkeiten der Uferstudios im Berliner Wedding teil und machten durch ihre Offenheit und lebhafte Beteiligung die Tagung zu einem großen Erfolg. Die verschiedenen Formate mit drei längeren Vorträgen und mit 13 Kurzbeiträgen in einem Forum, mit drei Arbeitsgruppen und zwei Panel-Diskussionen ergänzten sich abwechslungsvoll. Sie lieferten nicht nur reichhaltige Informationen, sondern regten auch die Teilnehmer dazu an, miteinander ins Gespräch zu kommen.

In seinem Grußwort unterstrich der Berliner Senator für kulturelle Angelegenheiten und Europa, Klaus Lederer, dass Diversität nicht nur kulturell gesehen werden kann; wesentlich gehört für ihn auch die durch Behinderung bedingte dazu. Joanne Lyons und Tanja Erhart von Candoco Dance Company veranschaulichten das Konferenzthema, indem sie von den allgemeinen Erfahrungen einer inklusiven Tanzkompanie und den persönlichen einer behinderten Tänzerin berichteten. Die Auseinandersetzung mit ihm wurde von den beiden Co-Leiter von tanzfähig, Evelyne Walser-Wohlfarter und Bernhard Richarz, vertieft, indem sie das tanzpädagogische und künstlerische Wirken ihrer Tanzinitiative mit der Konstruktion von Andersheit in Geschichte und Gesellschaft verbanden. Die emeritierte Tanzprofessorin Brenda Dixon-Gottschild forderte die Teilnehmer auf, sich nicht mit diesen Umständen abzufinden, und stellte ihnen einige Tänzer vor, die sich dagegen erhoben hatten. Die Vielschichtigkeit des Themas zeigte sich im Forum, wo in rascher Abfolge der Beiträge Teilnehmer vorstellten, was sie bewegten oder was sie bewegte.

Entsprechend ihren Interessen wandten sich die Teilnehmer in den Arbeitsgruppen einzelnen Fragestellungen zu. Am meisten Zuspruch erhielt die von Silke Schönfleisch-Backofen moderierte Arbeitsgruppe, in der der Frage des Unterrichtens in Differenz nachgegangen wurde. Während hier das Anschauungsmaterial im Mittelpunkt stand, das von Susanne Schneider, Corinna Mindt und Katharina Senk eingebracht wurde, entstand in der von Karin Kirchhoff moderierten Arbeitsgruppe zum künstlerischen Gewinn körperlicher Vielfalt eine angeregte Arbeitsatmosphäre, nachdem Sigal Bergman das Projekt vorgestellt hatte, an dem sie beteiligt war. Kontrovers verlief die von Astrid Kaminski moderierte Arbeitsgruppe zur Virtuosität im erweiterten Tanzkörper, für die Lisette Reuter die Anregung aus der Praxis gegeben hatte. Im Plenum danach wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen für alle Teilnehmer zusammengefasst.

In mehreren Diskussionen wurde die Konferenz fortgesetzt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Teilnehmer den Ausführungen von Matan Zamir und Nicola Mascia im ersten Podiumsgespräch mit Ulla Schorn; eindruckvoll war dabei mitzuerleben, wie sich bei den Tänzern und Choreographen Person und Werk verbanden und sie in ihrer künstlerischen Gestaltung gesetzte Grenzen überschritten. Als danach Dodzi Dougban, Tanja Erhart und Anna Mülter zum zweiten Podiumsgespräch zusammenkamen, ging es unter der Gesprächsleitung von Susanne Quinten wesentlich darum, ausgehend von den jeweiligen Erfahrungen der drei Diskutanten zu bestimmen, was die richtigen Worten sein konnten, um im einzelnen das zu beschreiben, was mit dem Konferenzthema übergreifend bezeichnet war, aber auch, was es brauchte, es noch mehr in die Praxis umzusetzen. In der abschließenden offenen Diskussion mit allen Teilnehmern reihten sich in lockerer Assoziation verschiedene Bemerkungen aneinander, von ersten Überlegungen, was die Konferenz den Teilnehmern gebracht haben könnte, über den Blick zurück, wie sich in den vergangen fünf bis zehn Jahren der Umgang mit körperlicher Differenz im Tanz verändert hatte, hin zu dem Wunsch, das Thema in einer weiteren Tagung wieder aufzugreifen.

Für einige Teilnehmer setzte sich die Beschäftigung mit dem erweiterten Tanzkörper unmittelbar nach der Konferenz fort. Nachdem es auf der Tagung nur in einem Aufwärmen, das von Evelyne Walser-Wohlfarter angeleitet war, die Gelegenheit gegeben hatte, sich selbst zu bewegen, stand im anschließenden, ebenfalls von tanzfähig mitveranstalteten Workshopfestival MeetShareDance der tänzerische Austausch im Mittelpunkt.